Für Onlinehändler ist der Winter nicht nur die Saison der Geschenke und Umsatzspitzen. Pakete liegen länger in unbeheizten Filialen und Paketzentren, fahren in kalten Transportern, werden vom Zusteller durch Schnee getragen, und im Lager ziehen Kartons neben offenen Ladetoren Feuchtigkeit. Eine Verpackung, die im Sommer problemlos funktioniert, kann zwischen November und Februar versagen: Karton weicht auf, Klebeband löst sich, zerbrechliche Ware bekommt Risse, Flüssigkeiten frieren ein. In diesem Ratgeber zeigen wir, wie Sie Pakete im Winter verpacken, damit die Ware trocken und unbeschädigt ankommt, und welche Materialien Sie dafür wirklich brauchen.

Die Tipps richten sich an Shops für Kosmetik, Elektronik, Geschirr, Bücher, Bekleidung und Handmade-Produkte sowie an Lager, die täglich versenden, bei Frost ebenso wie bei Tauwetter.

Was einem Paket im Winter droht

Bevor Sie Materialien auswählen, sollten Sie wissen, wovor Sie die Ware eigentlich schützen. Es gibt fünf typische Winterrisiken:

  • Nässe und Schnee. Nassschnee, Schneematsch und Pfützen an der Entladestelle schaden vor allem dem Karton. Wellpappe, die Feuchtigkeit aufgenommen hat, verliert ihre Steifigkeit: Der Karton gibt unter anderen Paketen nach, die Ecken knicken ein, das Versandetikett verwischt.
  • Kondenswasser. Wird ein kaltes Paket in einen warmen Raum gebracht, bildet sich Tau auf der Ware und im Karton. Für Elektronik, Papier, Textilien und Kosmetik ist das keine geringere Gefahr als Schnee von außen.
  • Frost. Kunststoffe werden in der Kälte spröder, Flüssigkeiten auf Wasserbasis können gefrieren. Wasser dehnt sich beim Gefrieren um etwa 9 % aus, deshalb kann eine randvolle Flasche platzen oder den Deckel herausdrücken.
  • Temperaturwechsel. Ein Paket wechselt mehrmals zwischen warm und kalt: Lager, Transporter, Paketzentrum, Filiale oder Packstation, Wohnung. Jeder Wechsel bedeutet neues Kondenswasser und Belastung für den Klebstoff.
  • Hochsaison in der Logistik. Im Dezember gibt es mehr Pakete, sie werden höher gestapelt und schneller bearbeitet. Schwache Verpackungen gehen in dieser Zeit häufiger kaputt.

Das Drei-Schichten-Prinzip: Nässeschutz, Polsterung, Verschluss

Die zuverlässigste Winterverpackung besteht aus drei Schichten, jede mit einer eigenen Aufgabe. Fehlt eine davon, können die anderen sie nicht ersetzen.

Schicht 1. Schutz vor Nässe

Feuchtigkeitsempfindliche Ware (Bekleidung, Bücher, Elektronik, Kosmetik in Faltschachteln) kommt zuerst in einen Polyethylenbeutel, der dicht verschlossen wird. Für kleine Sendungen ohne Karton eignen sich Versandtaschen aus Polyethylen mit Selbstklebeverschluss: Sie halten Nässe und Schnee ab, unabhängig vom Wetter. Bei zerbrechlicher Ware bleibt der Beutel die innere Schicht, den Stoßschutz übernehmen Karton und Füllmaterial.

Schicht 2. Polsterung und Hohlraumfüllung

Im Winter muss die Ware im Karton noch sicherer fixiert sein als im Sommer: Kalter Kunststoff und Glas vertragen Stöße schlechter, und hohe Stapel in der Hochsaison drücken stärker. Füllen Sie Hohlräume mit Luftpolstern, Wabenpapier oder Papierfüllmaterial, damit die Ware sich nicht bewegt und die Kartonwände nicht berührt. Ein Zusatznutzen im Winter: Die Polsterschicht bildet eine Luftschicht zwischen Ware und kalter Kartonwand und dämpft Temperaturwechsel etwas ab.

Schicht 3. Stabiler Karton und sicherer Verschluss

Die äußere Schicht ist ein passender Wellpappkarton und ein Klebeband, das sich bei Frost nicht löst. Der Karton sollte trocken und nicht zu groß sein: Mehr Volumen bedeutet mehr Füllmaterial, höheres Risiko von Verformungen und teureren Versand. Verkleben Sie die Nähte vollständig, ohne Lücken, durch die Schmelzwasser eindringen kann.

Wie sich Verpackungsmaterialien bei Frost verhalten

Nicht alle Materialien reagieren gleich auf Kälte und Feuchtigkeit. Eine kurze Übersicht für den Packplatz:

Material Was im Winter passiert Richtige Anwendung
Wellpappe Nimmt Feuchtigkeit auf und verliert Steifigkeit, vor allem an den Ecken Warm und trocken lagern, Ware innen mit Beutel schützen, alle Nähte verkleben
Luftpolster (HDPE-Folie) Unempfindlich gegen Nässe; bei Kälte sinkt der Innendruck leicht Prall befüllen, ohne große Lücken einlegen
Wabenpapier Honeycomb Polstert gut, darf aber wie jedes Papier nicht durchnässen Im Karton verwenden, feuchtigkeitsempfindliche Ware in einen Beutel legen
Papierfüllmaterial Behält im trockenen Karton seine Form Hohlräume dicht füllen, damit nichts verrutscht
Nassklebeband (wasseraktiviert) Der Klebstoff dringt in die Kartonfasern ein; auf nassem oder bereiftem Karton haftet es schwächer Auf trockene Kartons mit Raumtemperatur aufbringen
Selbstklebendes Papierklebeband HotMelt-Kleber; Temperaturbereich laut Produktseite −20 bis +60 °C Im beheizten Raum aufbringen und fest andrücken

Klebeband im Winter: Nassklebeband oder selbstklebend?

Die häufigste Winterbeschwerde lautet: „Der Karton ist unterwegs aufgegangen.“ Meist liegt es nicht am Klebeband selbst, sondern daran, wo und wie es aufgebracht wurde.

Wasseraktiviertes Nassklebeband aus Kraftpapier hat einen Klebstoff auf Stärkebasis. Nach dem Befeuchten dringt der Kleber in die Kartonoberfläche ein und verbindet sich mit ihr, sodass sich der Karton nicht ohne sichtbare Beschädigung öffnen lässt. Das funktioniert auch bei Kälte und hoher Luftfeuchtigkeit, allerdings unter einer Bedingung: Der Karton muss beim Verschließen trocken und warm sein. Kommen Kartons direkt aus einem unbeheizten Lager oder sind sie bereift, verhindert die Feuchtigkeit, dass der Kleber einzieht, und die Verbindung bleibt oberflächlich. Holen Sie die Kartons daher rechtzeitig in den Packbereich und verwenden Sie im Klebebandspender Wasser mit Raumtemperatur, nicht aus einem kalten Raum. Für schwere Kartons empfiehlt sich verstärktes Klebeband; wie Sie es passend zum Gewicht auswählen, erklären wir im Beitrag über fadenverstärktes Nassklebeband.

Selbstklebendes Papierklebeband ist praktisch, wenn kein Spender und kein Wasser zur Hand sind. Das Band 48 mm × 50 m zum Beispiel hat einen HotMelt-Kleber, die Produktseite nennt einen Temperaturbereich von −20 bis +60 °C. Kälte macht dieses Band nicht unbrauchbar, aber jeder Haftklebstoff greift schlechter, wenn Band und Karton vor dem Verkleben ausgekühlt sind. Die Regel bleibt gleich: im Warmen verkleben und das Band danach mit der Hand oder dem Spender fest andrücken. Einen ausführlichen Vergleich beider Bandtypen finden Sie im Ratgeber „Nassklebeband oder selbstklebendes Papierklebeband“.

AirWave-Luftpolster bei Kälte

Luftpolster bestehen fast nur aus Luft, sind deshalb unempfindlich gegen Nässe und erhöhen das Paketgewicht kaum. Die AirWave-Folie besteht aus HDPE, die perforierten Abschnitte lassen sich leicht abreißen und um die Ware legen. Im Winter gilt einfache Physik: Je kälter die Luft, desto geringer der Druck im geschlossenen Polster. Wurden die Polster im warmen Packraum befüllt und steht das Paket danach im Frost, werden sie etwas weicher. Befüllen Sie die Polster im Winter daher prall und füllen Sie den Karton so, dass die Ware auch bei leicht nachlassender Spannung kein Spiel hat.

Wer viele Bestellungen verpackt, stellt Luftpolster am besten direkt vor Ort mit einer Maschine her. Wie viel Zeit und Geld das bei 50, 200 oder 1.000 Bestellungen pro Tag spart, haben wir in „Luftpolstermaschine AirWave: wann sie sich rechnet“ berechnet.

Viskom-Materialien für die Winterverpackung

Mit diesen Produkten aus dem Viskom-Katalog decken Sie alle Schichten der Winterverpackung ab:

Wie viel Wabenpapier eine Bestellung braucht und wie Sie in der Hochsaison nicht zu viel verbrauchen, lesen Sie in unserer Berechnung „Wie viel Wabenpapier braucht man pro Bestellung“.

Waren, die besonders kälteempfindlich sind

Flüssigkeiten, Cremes, Kosmetik

Kann man Flüssigkeiten bei Frost versenden? Ja, wenn sie richtig vorbereitet werden und die Bedingungen des Versanddienstleisters eingehalten sind. Flüssigkeiten auf Wasserbasis können gefrieren und sich ausdehnen, füllen Sie Flaschen daher nicht bis zum Rand. Sichern Sie Verschlüsse zusätzlich mit Klebeband, legen Sie jede Flasche in einen eigenen verschlossenen Beutel, wickeln Sie sie in Wabenpapier oder Bubble Paper und fixieren Sie sie fest im Karton. Emulsionen wie Cremes oder Saucen können sich nach dem Gefrieren entmischen: Gibt der Hersteller eine Mindestlagertemperatur an, informieren Sie den Kunden und bieten Sie nach Möglichkeit Haustürzustellung an, damit das Paket kürzer unterwegs ist.

Elektronik

Der größte Feind von Elektronik im Winter ist Kondenswasser. Legen Sie das Gerät in einen verschlossenen Beutel und umgeben Sie es mit einer Polsterschicht aus Luftpolstern oder Wabenpapier. Bitten Sie den Kunden per Beileger oder Versandbenachrichtigung, das Gerät nicht sofort auszupacken und einzuschalten, sondern den Karton einige Stunden im Warmen stehen zu lassen, bis sich die Temperatur angeglichen hat.

Glas, Keramik, Kunststoff

Kunststoff wird in der Kälte spröder, Glas verträgt Stöße schlechter. Wickeln Sie jeden Artikel einzeln ein, damit sich die Artikel nicht gegenseitig und die Kartonwände nicht berühren. Zerbrechliche Ware verpacken Sie am besten im Doppelkarton oder mit mindestens einigen Zentimetern Polsterung an allen Seiten.

Papier, Bücher, Textilien

Diese Waren vertragen Frost, aber keine Nässe. Ein Beutel oder eine Versandtasche als innere Schicht ist Pflicht, und der Karton sollte an allen Nähten verklebt werden.

Checkliste fürs Lager im Winter

  1. Materialien warm lagern. Kartons, Klebeband und Folie gehören in einen beheizten Bereich, weg von den Ladetoren. Kalter Karton und kalter Klebstoff sind der Hauptgrund für aufgegangene Pakete.
  2. Packplatz weg vom Tor. Packtische sollten nicht im Zug stehen, fertige Pakete nicht auf dem Boden neben der offenen Rampe.
  3. Alles trocken halten. Schnee an Kleidung, Hubwagen und Paletten taut schnell. Stellen Sie fertige Kartons auf Paletten oder Regale, nicht auf den Boden.
  4. Karton vor dem Verschließen prüfen. Fühlt sich die Pappe feucht an, nehmen Sie einen anderen Karton.
  5. Nähte vollständig verkleben. Für schwere Kartons verstärktes Klebeband und H-Verschluss verwenden.
  6. Etikett schützen. Ein verwischtes Etikett bedeutet ein verlorenes Paket. Kleben Sie es auf eine ebene, trockene Fläche, nicht über eine Naht.
  7. Rechtzeitig einkaufen. Im Dezember steigt die Nachfrage nach Verpackung. Einen Einkaufsplan finden Sie in unserer Verpackungs-Checkliste für den Black Friday.

Was Sie Ihren Kunden mitteilen sollten

Ein paar Zeilen per E-Mail oder SMS ersparen die meisten Winterfragen und Reklamationen:

  • das Paket möglichst schnell aus der Packstation oder Filiale abholen, damit es nicht in der Kälte steht;
  • einen kalten Karton mit Elektronik oder Kosmetik nicht sofort öffnen, sondern erst warm werden lassen;
  • ist der Karton nass oder beschädigt, ihn vor dem Öffnen fotografieren und den Shop kontaktieren.

Häufige Fragen

Wie verpacke ich ein Paket im Winter, damit es nicht nass wird?

Mit drei Schichten: Ware im verschlossenen Beutel, Polsterung und Hohlraumfüllung in einem trockenen Karton und vollständig verklebte Nähte. Für kleine, nicht zerbrechliche Artikel reicht oft eine Versandtasche aus Polyethylen.

Hält Papierklebeband bei Frost?

Ja, wenn es richtig aufgebracht wird. Nassklebeband verbindet sich mit den Fasern von trockenem Karton, und für das selbstklebende Papierklebeband 48 mm × 50 m nennt die Produktseite einen Temperaturbereich von −20 bis +60 °C. Entscheidend ist, trockene Kartons in einem beheizten Raum zu verschließen.

Darf man im Winter Flüssigkeiten versenden?

Ja, im Rahmen der Bedingungen Ihres Versanddienstleisters. Lassen Sie in der Flasche Platz zum Ausdehnen, sichern Sie den Verschluss, legen Sie die Flasche in einen dichten Beutel und fixieren Sie sie fest mit Polstermaterial im Karton.

Verlieren Luftpolster bei Kälte Luft?

Sie verlieren keine Luft, aber bei Frost sinkt der Innendruck leicht und das Polster wird weicher. Deshalb werden sie im Winter prall befüllt und der Karton ohne große Lücken ausgefüllt.

Fazit

Winterverpackung braucht keine teuren Lösungen: Schützen Sie die Ware vor Nässe, fixieren Sie sie fest mit Polstermaterial und verschließen Sie einen trockenen Karton mit Klebeband, das im Warmen aufgebracht wurde. Den Rest erledigt die Lagerorganisation: Materialien liegen im beheizten Bereich, Packtische stehen weg vom Tor, und Ihre Kunden wissen, wie sie mit einem kalten Paket umgehen. Wenn Sie Hilfe bei der Auswahl von Füllmaterial, Kartons oder Klebeband für die Wintersaison brauchen, wenden Sie sich an das Viskom-Team.