Retouren gehören im Onlinehandel zum Alltag. Kunden können online gekaufte Ware in der EU in der Regel innerhalb von 14 Tagen widerrufen und zurücksenden, und der Shop muss die Rücksendung so abwickeln, dass weder Geld noch Zeit noch der Kunde verloren gehen. Die meisten Probleme entstehen dabei nicht durch die Retoure selbst, sondern durch die Verpackung: Der Kunde reißt den Karton auf, hat nichts Passendes zum Zurückverpacken, klebt mit Haushaltsklebeband zu oder steckt die Ware in eine Tüte, und das Paket kommt beschädigt im Lager an. In diesem Beitrag zeigen wir, wie eine Retourenverpackung in Form eines Versandkartons mit zwei Klebestreifen (am Markt bekannt unter Namen wie Sendbackbox oder Packfix Return) die Retourenlogistik vereinfacht und wo genau sie Kosten spart.
Der Leitfaden richtet sich an Onlineshops für Mode, Schuhe, Kosmetik, Elektronik, Bücher und Accessoires, also an alle, bei denen die Retourenquote spürbar ist und jede Rücksendung Zeit im Lager und im Kundenservice kostet.
Warum Retouren teurer sind, als es scheint
Wenn ein Shop die Retourenkosten berechnet, sieht er meist nur das Rückporto. Tatsächlich gibt es deutlich mehr Kostenpositionen, und einige davon sind versteckt:
- Verpackung für die Rücksendung. Hat der Kunde nichts zum Verpacken, kauft er einen Karton in der Filiale des Paketdienstes oder nimmt, was er zu Hause findet. Davon hängt ab, in welchem Zustand die Ware zurückkommt.
- Schäden bei der Retoure. Ware in einem zerrissenen oder unpassenden Karton wird häufiger gequetscht, zerkratzt oder verschmutzt. Solche Artikel lassen sich kaum zum vollen Preis wiederverkaufen.
- Zeit im Lager. Das Paket muss angenommen, geöffnet, auf Vollständigkeit und Zustand geprüft und die Ware wieder eingelagert oder als B-Ware aussortiert werden. Je chaotischer Retouren eintreffen, desto länger dauert jeder Schritt.
- Aufwand im Kundenservice. Fragen wie „Wie verpacke ich das?“, „Geht auch eine Tüte?“, „Woher bekomme ich einen Karton?“ binden Mitarbeiter, Streitfälle wegen beschädigter Ware noch mehr.
- Kundenbindung. Eine umständliche Retoure schreckt vom nächsten Kauf ab. Eine einfache, klare Rücksendung stärkt dagegen das Vertrauen in den Shop.
Ein Großteil dieser Kosten lässt sich schon beim Erstversand senken, wenn die Ware gleich in einem retourenfähigen Karton verschickt wird.
Was ist ein Versandkarton mit zwei Klebestreifen?
Ein Retourenkarton ist ein Versandkarton aus Wellpappe, dessen Verschlusslasche zwei Klebestreifen mit Schutzfolie trägt. Den ersten Streifen nutzt der Shop beim Verpacken der Bestellung. Der zweite bleibt für den Kunden: Passt die Ware nicht, legt er sie zurück, zieht die Schutzfolie vom zweiten Streifen ab und verschließt den Karton ohne Klebeband. Zum sauberen Öffnen haben solche Kartons meist einen Aufreißstreifen, sodass weder Schere noch Messer nötig sind und der Karton selbst unbeschädigt bleibt.
So funktioniert es in der Praxis: drei Schritte
- Versand. Der Packer legt die Ware in den Karton, zieht die Folie vom ersten Klebestreifen ab und schließt die Lasche. Klebeband ist nicht nötig.
- Empfang. Der Kunde öffnet den Karton mit dem Aufreißstreifen. Der Karton bleibt intakt, der zweite Klebestreifen ist weiterhin mit Folie geschützt.
- Retoure. Soll die Ware zurück, legt der Kunde sie in denselben Karton, zieht die Folie vom zweiten Streifen ab, verschließt die Lasche und klebt das Retourenlabel auf.
Die Idee ist einfach: Ein und derselbe Karton geht zum Kunden und wieder zurück, und der Kunde muss nichts suchen oder zukaufen.
Standardkarton mit Klebeband oder Retourenkarton
Um zu sehen, wo die Einsparungen entstehen, vergleichen wir zwei Szenarien.
| Schritt | Standardkarton + Klebeband | Versandkarton mit zwei Klebestreifen |
|---|---|---|
| Verschließen im Lager | Klebeband und Abroller nötig, mehrere Streifen pro Karton | Folie abziehen, Lasche mit Klebestreifen schließen |
| Öffnen durch den Kunden | Mit Messer oder Schere, der Karton reißt oft | Mit dem Aufreißstreifen, der Karton bleibt intakt |
| Verpackung für die Retoure | Kunde sucht Karton und Klebeband selbst | Derselbe Karton, der zweite Klebestreifen ist schon da |
| Zustand der Rücksendung | Hängt davon ab, was der Kunde gefunden hat | Ware kommt im Karton passender Größe zurück |
| Prüfung im Lager | Spuren verschiedener Klebebänder, Öffnung schwer erkennbar | Standardkarton, Unversehrtheit leichter zu prüfen |
Wo genau gespart wird: die Kosten im Einzelnen
Weniger Verbrauchsmaterial im Lager
Ein Karton mit Klebestreifen braucht zum Verschließen kein Klebeband. Hat er zusätzlich einen Automatikboden wie die Smart-Box-Kartons, greift der Packer gar nicht mehr zum Abroller: Karton aufziehen, Ware einlegen, Lasche schließen. Bei großen Mengen spart das spürbar Klebeband und Zeit.
Schnelleres Verpacken
Ein Karton mit Automatikboden wird mit einem Handgriff aufgerichtet, und das Verschließen mit dem Klebestreifen dauert Sekunden. Das verkürzt die Zeit pro Bestellung und entlastet die Packplätze an Spitzentagen.
Weniger beschädigte Retouren
Die Ware kommt im selben Karton zurück, der für ihre Größe ausgewählt wurde. Lag Füllmaterial im Paket, kann der Kunde es erneut verwenden. So geht mehr Retourenware direkt zurück ins Regal statt in den B-Waren-Verkauf.
Schnellere Retourenbearbeitung
Kommen Retouren in Standardkartons an, arbeitet das Lager nach einem festen Ablauf: Unversehrtheit prüfen, öffnen, Ware begutachten, im Bestand verbuchen. Niemand muss sich mit Tüten, in Folie gewickelten Päckchen oder fremden Kartons in falscher Größe beschäftigen.
So berechnen Sie den Effekt für Ihren Shop
Am ehrlichsten bewerten Sie den Nutzen mit Ihren eigenen Zahlen. Nehmen Sie die aktuellen Verpackungskosten pro Bestellung (Karton, Klebeband, Füllmaterial, Arbeitszeit) und vergleichen Sie sie mit einem Karton, der ohne Klebeband schließt. Schätzen Sie außerdem, wie viele Retouren pro Monat wegen ungeeigneter Verpackung beschädigt ankommen und was jeder dieser Fälle kostet. Die Berechnungsmethode erklären wir ausführlich im Beitrag „Verpackungskosten pro Bestellung berechnen“.
Welche Kartons Viskom anbietet
Im Bereich Kartons finden Sie selbstaufrichtende, selbstklebende Versandkartons für den E-Commerce. Für die Retourenverpackung gibt es im Katalog außerdem eigene Bereiche: Rücksendeboxen Sendbackbox und Packfix Return. Die aktuelle Verfügbarkeit von Modellen und Größen in diesen Bereichen klären Sie am besten vor der Bestellung mit einem Viskom-Ansprechpartner.
Smart-Box-Kartons
Smart-Box-Kartons haben einen Peel-and-Seal-Verschluss: Ein innenliegender Klebestreifen verschließt den Karton ohne Klebeband, und ein Aufreißstreifen öffnet ihn ohne Schere. Der Boden faltet sich automatisch. Laut den Produktseiten bestehen die Kartons aus 3-lagiger Wellpappe TK-22 mit E-Welle und werden in Packungen zu 20 Stück geliefert. Im Katalog gibt es die Größen 112×112×360, 170×120×100, 240×170×100, 208×118×357, 317×224×106 und 335×133×377 mm. Auf der Kategorieseite wird zudem betont, dass ein unbeschädigter Aufreißstreifen zeigt, dass außer dem Absender niemand die Ware berührt hat.
Book-mailer Box
Die Book-mailer Box im Format 307×250×90 mm ist für Bücher, Datenträger, Kataloge, Geschenke und andere flache Artikel gedacht. Sie hat einen Selbstklebeverschluss und einen Aufreißstreifen, die Höhe passt sich dem Inhalt an. Eine praktische Wahl, wenn Sie flache Produkte verkaufen und ohne Klebeband versenden möchten.
Bitte beachten Sie: In den Produktbeschreibungen von Smart Box und Book-mailer Box auf der Website ist ein Klebestreifen zum Verschließen genannt. Wenn Sie ausdrücklich einen zweiten Streifen für die Retoure brauchen, fragen Sie nach, welche Modelle verfügbar sind, oder legen Sie dem Paket einige Streifen selbstklebendes Papierklebeband mit einer Anleitung bei.
Die richtige Größe für den Retourenkarton
Ein Retourenkarton muss genauso gut passen wie ein normaler Versandkarton: Die Ware darf nicht verrutschen, aber auch nicht die Wände ausbeulen. Einige praktische Regeln:
- Wählen Sie Kartongrößen für Ihre meistverkauften Artikel, nicht für die größten. Für sperrige Produkte halten Sie eine eigene Größe vor.
- Lassen Sie bei zerbrechlicher Ware Platz für Füllmaterial. Der Kunde kann dasselbe Material wieder einlegen.
- Prüfen Sie, ob der Karton in die Maßklassen Ihres Paketdienstes passt, damit die Rücksendung nicht teurer wird als nötig.
Wie Sie die optimale Größe berechnen und nicht für Luft bezahlen, erklären wir im Beitrag „Wellpappkartons für den E-Commerce: Größe berechnen und Versandkosten sparen“.
Füllmaterial, das wiederverwendet werden kann
Für Retouren eignet sich Füllmaterial, das der Kunde leicht wieder einlegen kann: Papier, Wabenpapier aus Kraftpapier oder andere Varianten aus dem Bereich Füllmaterial für Kartons. Einen Vergleich verschiedener Methoden finden Sie im Beitrag „Hohlräume im Karton füllen“.
Schutz vor Warenaustausch bei Retouren
Retouren sind ein beliebter Moment für Betrug: Statt des Originals liegt eine Fälschung, ein abgenutzter Artikel oder ein völlig anderer Gegenstand im Karton. Die Verpackung löst das Problem nicht vollständig, erschwert aber Manipulation auf dem Transportweg und hilft im Streitfall.
- Aufreißstreifen als Indikator. Ein unversehrter Aufreißstreifen beim Erstversand zeigt, dass der Karton vor der Zustellung nicht geöffnet wurde.
- Sicherheitsklebeband für wertvolle Ware. Sicherheitsklebeband aus Kraftpapier hinterlässt beim Ablöseversuch sichtbare Spuren, sodass jede Öffnung sofort erkennbar ist.
- Foto- und Videodokumentation. Filmen Sie das Verpacken teurer Bestellungen und das Öffnen von Retouren im Lager. Das ist Ihr wichtigstes Argument im Streitfall.
Weitere Möglichkeiten, ein Paket zu schützen, beschreibt der Beitrag „Paket vor Manipulation schützen“.
Retourenbearbeitung im Lager: eine kurze Checkliste
Selbst der beste Karton spart kein Geld, wenn Retouren im Lager chaotisch bearbeitet werden. Richten Sie einen eigenen Bereich und einfache Regeln ein:
- Richten Sie einen Retourentisch getrennt vom Versandbereich ein, damit Rücksendungen nicht mit Neuware vermischt werden.
- Prüfen Sie vor dem Öffnen Karton und Klebestreifen auf Unversehrtheit und fotografieren Sie das Paket.
- Öffnen Sie den Karton, gleichen Sie den Inhalt mit der Bestellung ab und bewerten Sie den Zustand der Ware.
- Sortieren Sie: zurück ins Regal, B-Ware, Abschreibung oder Rücksendung an den Lieferanten.
- Ist der Karton intakt, nutzen Sie ihn erneut für interne Umlagerungen oder zur Lagerung.
- Erfassen Sie die Retourengründe. Kommt ein Artikel oft beschädigt zurück, ändern Sie seine Verpackung beim Erstversand.
Besonders wichtig ist das nach großen Aktionen, wenn die Retourenwelle einige Wochen nach dem Höhepunkt eintrifft. Wie Sie sich auf den Höhepunkt selbst vorbereiten, lesen Sie in der „Verpackungs-Checkliste für den Black Friday im Onlineshop“.
Anleitung für den Kunden: So wird die Retoure einfach
Ein Karton mit zweitem Klebestreifen funktioniert nur, wenn der Kunde weiß, was er damit tun soll. Legen Sie eine kurze Anleitung bei oder kleben Sie sie auf die Innenseite der Lasche. Dafür eignen sich bedruckte Selbstklebeetiketten. Die Anleitung sollte erklären:
- dass der Karton über den Aufreißstreifen geöffnet und nicht aufgeschnitten wird;
- dass der zweite Klebestreifen für die Retoure gedacht ist und seine Folie erst vor dem Zurücksenden abgezogen wird;
- was mit der Ware in den Karton gehört (Retourenschein, Beleg, Zubehör);
- wie das Retourenlabel bei Ihrem Paketdienst erstellt wird.
Je weniger Fragen der Kunde hat, desto weniger Anfragen erreichen den Kundenservice und desto schneller ist das in Retouren gebundene Geld wieder frei.
Häufige Fragen
Kann man eine Retoure ohne Klebeband verschicken?
Ja, wenn der Karton einen zweiten Klebestreifen hat. Der Kunde zieht die Schutzfolie ab und verschließt die Lasche, zusätzliches Klebeband ist nicht nötig.
Eignen sich Retourenkartons für schwere Ware?
Achten Sie auf das Kartonmaterial und das Gewicht der Ware. Bei schweren Sendungen verschließen Sie die Nähte zusätzlich mit wasseraktiviertem Nassklebeband und klären Sie die Kartondaten mit einem Ansprechpartner.
Lassen sich solche Kartons mit dem eigenen Branding versehen?
Die Wellpappenoberfläche lässt sich bedrucken oder bekleben. Am einfachsten sind Etiketten mit Logo oder bedrucktes Klebeband.
Lohnen sich Retourenkartons bei wenigen Retouren?
Auch bei niedriger Retourenquote sparen solche Kartons Klebeband und Packzeit beim Erstversand. Bewerten Sie den Nutzen dennoch mit Ihren eigenen Zahlen und einer Verpackungskostenrechnung.
Fazit
Ein Versandkarton mit zwei Klebestreifen löst mehrere Aufgaben zugleich: Verpacken ohne Klebeband im Lager, sauberes Öffnen für den Kunden und eine fertige Retourenverpackung. Der Shop erhält weniger beschädigte Retouren, einfachere Abläufe im Lager und zufriedenere Kunden. Starten Sie mit ein oder zwei Größen für Ihre Bestseller, legen Sie eine Anleitung für den Kunden bei und messen Sie den Effekt nach einem Monat. Wenn Sie Unterstützung bei der Auswahl von Kartons, Füllmaterial oder Klebeband brauchen, wenden Sie sich an das Viskom-Team.