Ein Bild, ein Spiegel oder ein Bilderrahmen mit Glas gehört zu den riskantesten Sendungen überhaupt. Glas verträgt keinen punktuellen Stoß, die Rahmenecken treffen im Paketzentrum als Erstes auf den Boden, und eine Leinwand lässt sich selbst durch dicke Pappe eindrücken. Die gute Nachricht: Die meisten Schäden sind vorhersehbar, und mit der richtigen Verpackung lassen sie sich vermeiden. Hier finden Sie die Schritt-für-Schritt-Methode, mit der Lager von Deko-Onlineshops, Künstler und Galerien arbeiten, und dazu die Erklärung, wofür jede Schicht da ist.
Die Anleitung gilt für Leinwände auf Keilrahmen, Poster und Fotos in Rahmen mit Glas, Wand- und Tischspiegel sowie gerahmtes Glas oder Acrylglas. Für sehr große oder wertvolle Werke (über 1 m an der langen Seite oder von musealem Wert) bleibt die Logik gleich, statt eines Kartons ist dann aber eine Holzkiste die bessere Wahl.
Warum Bilder und Spiegel beim Versand zerbrechen
Um wirksam zu schützen, muss man wissen, wovor. Es gibt vier Hauptrisiken:
- Stoß auf die Ecke. Das Paket fällt oder wird auf die Kante gestellt, und die ganze Energie trifft eine Rahmenecke. Genau dort reißt meist das Glas und öffnen sich die Gehrungen.
- Druck auf die Fläche. Der flache Karton landet unter anderen Paketen. Ohne steife Schicht über Glas oder Leinwand geht der Druck direkt auf das Objekt.
- Bewegung im Karton. Jeder Hohlraum zwischen Rahmen und Kartonwand lässt das Objekt bei jedem Ruck anschlagen.
- Durchstoßen. Kanten von Rollwagen, Ecken anderer Pakete oder Teile des Förderbands können eine dünne Wand durchstoßen und die Leinwand beschädigen.
Daraus folgt das Prinzip: Glas sichern, Ecken schützen, polsternd einwickeln, im stabilen Karton unbeweglich fixieren und richtig kennzeichnen. Wer bereits Geschirr oder Keramik verschickt, kennt die Grundregeln aus unserer Anleitung zerbrechliche Ware richtig verpacken; bei gerahmten Objekten kommen einige besondere Schritte hinzu.
Was Sie vor dem Verpacken bereitlegen sollten
Legen Sie alles vorher zurecht, damit Sie den Tisch nie mit ungeschütztem Glas verlassen müssen:
- Malerkrepp (Papierklebeband) oder eine Schutzfolie für das Glas;
- Kantenschutzecken für den Rahmen, fertig gekauft oder selbst aus Wellpappe gefaltet;
- Einwickelmaterial: Waben-Kraftpapier Honeycomb, Bubble Paper oder Luftpolsterfolie;
- zwei steife Wellpappzuschnitte in Rahmengröße;
- einen Wellpappkarton mit 4–6 cm Luft auf jeder Seite;
- Füllmaterial für Hohlräume: AirWave-Luftpolsterkissen oder zerknülltes Kraftpapier;
- Klebeband zum Verschließen und die Kennzeichnung „Vorsicht Glas“.
Die Arbeitsfläche muss sauber und eben sein: Schon ein kleiner Krümel unter dem Glas kann beim Andrücken einen Sprung verursachen. Decken Sie den Tisch mit weichem Material oder Pappe ab.
Schritt 1: Glas sichern
Ist das Glas im Rahmen, kleben Sie Malerkrepp als X über die Diagonalen oder als Gitter im Abstand von 10–15 cm. Das Klebeband verhindert keinen Bruch, hält aber die Scherben zusammen, falls das Glas reißt: Sie zerschneiden weder das Bild darunter noch die Verpackung. Nehmen Sie unbedingt Papier-Malerkrepp mit schwacher Klebkraft, denn normales Paketband hinterlässt schwer entfernbare Rückstände. Bei Facettenspiegeln und teurem entspiegeltem Glas legen Sie zuerst eine Schutzfolie oder ein Blatt Papier auf und kleben darüber.
Hat das Bild kein Glas (Leinwand auf Keilrahmen), decken Sie die Vorderseite mit glattem, unbedrucktem Papier ab. Strukturierte oder genoppte Materialien können auf frischem Firnis oder Ölfarbe einen Abdruck hinterlassen.
Schritt 2: Rahmenecken schützen
Die Ecken sind die schwächste Stelle. Setzen Sie auf jede Ecke einen Kantenschutz aus Pappe; er lässt sich aus einem Quadrat Wellpappe zu einer dreieckigen Tasche falten. Er soll gut sitzen, ohne zu klemmen, und darf nicht abfallen. Fixieren Sie ihn mit einem Streifen Papierklebeband am Kantenschutz selbst, niemals am Rahmen oder an der Leinwand. Bei schweren Profilrahmen verwenden Sie zwei Lagen Pappe. Beim Aufprall verformt sich der Kantenschutz zuerst und nimmt Energie auf, die sonst ins Glas ginge.
Schritt 3: Das Objekt polsternd einwickeln
Wickeln Sie jetzt das ganze Objekt so ein, dass auf jeder Seite mindestens 3–5 cm Polsterung liegen. Zwei Varianten sind verbreitet:
- Waben-Kraftpapier. Auseinandergezogen bildet es dreidimensionale Zellen, die Stöße dämpfen und sich eng um den Rahmen legen. Für mittelgroße Bilder und Spiegel reichen zwei bis drei Lagen, für große mehr. Wie viel Papier eine Sendung braucht, haben wir in wie viel Wabenpapier pro Bestellung berechnet.
- Luftpolsterfolie oder Bubble Paper. Die Noppen zeigen nach innen zum Objekt, so polstern sie am besten. Zwischen Noppen und Leinwand gehört glattes Papier.
Einen Vergleich von Luftpolsterfolie und anderen Polstermaterialien finden Sie im Beitrag Luftpolsterfolie oder Styropor. Für Shops, die ganz auf Kunststoff verzichten wollen, ist Wabenpapier praktischer: Es wird zusammen mit dem Karton recycelt.
Schritt 4: Ein steifes „Sandwich“ bilden
Legen Sie das eingewickelte Objekt zwischen zwei steife Wellpappzuschnitte, die auf jeder Seite 2–3 cm größer als der Rahmen sind, und kleben Sie das Sandwich rundum zu. Diese Schicht verteilt punktuellen Druck auf die ganze Fläche: Steht etwas Schweres auf dem Karton oder trifft ihn die Ecke eines anderen Pakets, fängt die Pappe den Stoß ab, nicht das Glas. Bei Leinwänden auf Keilrahmen ist die steife Platte besonders wichtig, weil sie vor Durchstoßen und Eindellen schützt.
Schritt 5: Karton wählen und Hohlräume füllen
Der Wellpappkarton sollte auf jeder Seite 4–6 cm größer sein als das Sandwich. Weniger Abstand lässt keinen Platz zum Polstern, mehr braucht zu viel Füllmaterial und erhöht das Volumengewicht. Für schwere Spiegel wählen Sie zweiwellige Pappe, für kleine Rahmen genügt einwellige. Fertige Kartons passen für kleine Formate; für große Bilder eignet sich ein Teleskopkarton aus zwei ineinandergeschobenen Teilen, der sich an die Größe anpassen lässt.
Legen Sie eine Schicht Füllmaterial auf den Boden, setzen Sie das Objekt mittig ein und füllen Sie alle Zwischenräume an den Seiten und oben. AirWave-Luftpolster lassen sich gut entlang der Kanten legen und wiegen fast nichts; zerknülltes Kraftpapier oder anderes Füllmaterial füllt die Ecken. Der Test ist einfach: Klappen schließen und den Karton vorsichtig schütteln. Bewegt sich etwas, Füllmaterial nachlegen.
Schritt 6: Karton verschließen und kennzeichnen
Verschließen Sie den Karton nach der H-Methode: ein Streifen über die Mittelnaht und je einer über die Seitennähte. Für schwere Rahmen nehmen Sie verstärktes Klebeband; wie man die Breite nach dem Gewicht wählt, erklären wir im Beitrag fadenverstärktes Nassklebeband nach Kartongewicht. Nassklebeband aus Kraftpapier verbindet sich mit den Fasern der Pappe, löst sich weder bei Frost noch in feuchten Depots und zeigt zugleich, ob der Karton geöffnet wurde.
Auch die Kennzeichnung schützt. Unser bedrucktes Kraftband „Vorsicht Glas“ (Aufdruck auf Ukrainisch) verschließt die Naht und warnt das Personal zugleich. Ergänzen Sie Pfeile „Oben“ und vermerken Sie, dass das Paket hochkant stehen und nicht flach unter anderen Kartons liegen soll. Geben Sie beim Versand an, dass die Ware zerbrechlich ist, und deklarieren Sie den tatsächlichen Wert, denn das ist für einen Schadensfall wichtig.
Besonderheiten je nach Objekt
Spiegel
Ein Spiegel ist schwerer als ein gleich großes Bild, Stöße auf die Ecken sind daher gefährlicher. Kleben Sie das Glas als Gitter ab, nehmen Sie doppelten Kantenschutz, zweiwellige Pappe und verstärktes Klebeband. Einen rahmenlosen Spiegel setzen Sie in einen Rahmen aus Pappstreifen, damit die Kanten die Kartonwände nicht berühren.
Leinwände ohne Glas
Hauptrisiken sind Eindellen und Durchstoßen. Decken Sie die Vorderseite mit glattem Papier und dann mit steifer Pappe ab und wickeln Sie erst danach ein. Legen Sie keine Folie direkt auf die Leinwand, vor allem nicht bei frischer Farbe oder frischem Firnis.
Poster und Fotos in Rahmen mit Glas
Mehrere kleine Rahmen können in einen Karton, aber jeder wird einzeln eingewickelt, und dazwischen kommt ein Pappzuschnitt. Niemals Glas auf Glas stapeln.
Packplatz für gerahmte Ware im Lager einrichten
Wenn Sie regelmäßig Bilder und Spiegel versenden, richten Sie dafür einen eigenen Packtisch ein. Griffbereit sollten eine Rolle Wabenpapier im Spender, vorgeschnittene Eckzuschnitte, Pappplatten in einigen Standardgrößen und Füllmaterial liegen. So sucht niemand Material mit ungeschütztem Glas in der Hand, und jede Bestellung wird gleich verpackt.
Hilfreich ist eine kurze Packkarte für jedes Standardformat (etwa A4, A3 und 50×70 cm) mit Kartongröße, Anzahl der Papierlagen und Menge der Luftpolster. Das spart Zeit pro Auftrag und macht den Materialverbrauch planbar. Lagern Sie fertige Pakete hochkant und stellen Sie keine anderen Kartons darauf, so wie es auch ein sorgfältiger Versanddienstleister tut.
Häufige Fehler
- Ein zu knapper Karton ohne Platz für Polsterung.
- Nur Luftpolsterfolie ohne steife Pappe: Sie hilft gegen Erschütterungen, nicht gegen Druck.
- Paketband direkt auf Rahmen oder Leinwand, das Spuren hinterlässt und Farbe abreißt.
- Fehlende Kennzeichnung, sodass das Paket flach unten im Stapel landet.
- Leere Kartonecken, in denen das Objekt gegen die Wände schlägt.
Checkliste fürs Lager
- Das Glas ist mit Malerkrepp abgeklebt oder mit Schutzfolie abgedeckt.
- Jede Rahmenecke hat einen Kantenschutz.
- Das Objekt ist mit mindestens 3–5 cm Polsterung eingewickelt.
- Ein steifes Sandwich aus zwei Wellpappzuschnitten ist vorhanden.
- Der Karton ist 4–6 cm größer, Hohlräume sind gefüllt, nichts bewegt sich.
- Die Nähte sind nach der H-Methode verklebt, der Karton trägt „Vorsicht Glas“ und „Oben“.
- Die Sendung ist als zerbrechlich angemeldet und der Wert deklariert.
Wenn Sie sich auf die Hochsaison vorbereiten, lesen Sie auch unsere Verpackungs-Checkliste für den Black Friday und im Winter unsere Tipps zum Verpacken von Paketen bei Kälte.
Häufige Fragen
Kann man ein Bild nur in Folie, ohne Karton verschicken?
Davon raten wir ab. Folie schützt vor Kratzern und Feuchtigkeit, aber nicht vor Druck oder Durchstoßen. Mindestens steife Pappe auf beiden Seiten und ein Karton sind nötig.
Was ist besser für einen Spiegel: Wabenpapier oder Luftpolsterfolie?
Beides funktioniert, wenn die Schicht dick genug ist und durch steife Pappe ergänzt wird. Wabenpapier passt zu einer reinen Papierverpackung, Luftpolsterfolie ist bei großen Mengen leichter.
Sollte man das Glas vor dem Versand aus dem Rahmen nehmen?
Bei den meisten Rahmen nicht: Glas abkleben und richtig verpacken genügt. Bei sehr großen oder wertvollen Werken wird das Glas manchmal durch Acrylglas ersetzt oder separat in einer Holzkiste verschickt.
Alle Materialien aus dieser Anleitung, also Waben- und Bubble Paper, Luftpolster, Kartons und Kraftklebeband, erhalten Sie bei Viskom. Wenn Sie unsicher sind, was zu Ihren Formaten passt, schreiben Sie unserem Manager; wir stellen gern ein passendes Set für Ihr Sortiment zusammen.